{"id":4177,"date":"2024-12-31T15:50:45","date_gmt":"2024-12-31T15:50:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.roemische-legion.de\/?page_id=4177"},"modified":"2025-07-05T11:45:13","modified_gmt":"2025-07-05T11:45:13","slug":"kochen-und-essen-bei-den-roemern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.roemische-legion.de\/de_de\/?page_id=4177","title":{"rendered":"Legio II Italica &#8211; Kochen und Essen bei den R\u00f6mern"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer heutzutage Urlaub in den s\u00fcdlichen L\u00e4ndern macht wird festgestellt haben, dass hier das Fr\u00fchst\u00fcck eher bescheiden ausf\u00e4llt und auch das Mittagessen mehr einem Imbiss gleicht, den die Einheimischen zu sich nehmen. Erst bei den k\u00fchlen Abendtemperaturen gibt man sich den Wohltaten der K\u00fcche hin. Auch die R\u00f6mer sch\u00e4tzten das Essen am Abend. Hier wurde sehr opulent, wenn man es sich leisten konnte, aufgetischt. Normalerweise war die K\u00fcche relativ klein. Als Beleuchtung diente meistens eine \u00d6ffnung in der Decke, die auch dazu diente, den Rauch abziehen zu lassen. Gekocht wurde auf einem gemauerten Herd mit offenem Feuer. Da offenes Feuer ein st\u00e4ndiger Brandherd ist, war in den r\u00f6mischen Mietsh\u00e4usern das Kochen mit offenem Feuer verboten. Als Alternativen gab es gro\u00dfe Gemeinschaftsk\u00fcchen oder die Gark\u00fcchen an der Stra\u00dfe. Das \u00d6l und der Wein wurden in Amphoren geliefert und leicht verderbliche Nahrungsmittel wurden gleich neben der K\u00fcche in einer Art Keller gelagert. Reiche R\u00f6mer besa\u00dfen einen Eiskeller, um auch im Sommer gek\u00fchlte Speisen zu genie\u00dfen. M\u00f6glich wurde dies, indem man Eis aus den Alpen einlagerte, wie es auch beim Lagern von Bier in den Eiskellern der Brauereien in der Neuzeit praktiziert wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.roemische-legion.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ischia-2012-083-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4421\" srcset=\"https:\/\/www.roemische-legion.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ischia-2012-083-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.roemische-legion.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ischia-2012-083-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.roemische-legion.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ischia-2012-083-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.roemische-legion.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ischia-2012-083-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.roemische-legion.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ischia-2012-083-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.roemische-legion.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ischia-2012-083-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Pompeji, Gark\u00fcche f\u00fcr den Stra\u00dfenverkauf, Foto (c) Klaus Peter Horack<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Typisch f\u00fcr die r\u00f6mische K\u00fcche war der verschwenderische Umgang mit Gew\u00fcrzen. Besonders interessant war zum Beispiel die Speisen so zu w\u00fcrzen, dass man den urspr\u00fcnglichen Geschmack nicht mehr erkennen konnte wie durch Kombinationen mit Wein, Essig, Most, Honig. Die typische Fischso\u00dfe durfte auch bei keinem Essen fehlen. Welche Gew\u00fcrze sind aus der r\u00f6mischen K\u00fcche bekannt? Durch die Analyse winziger Pflanzenreste und Tierknochen, die bei Ausgrabungen in den K\u00fcchenbereichen gefunden wurden, konnte man die genutzten Nahrungsmittel und sogar die entsprechenden Gew\u00fcrze recht genau bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Verwendete Gew\u00fcrze und Zutaten  in der r\u00f6mischen K\u00fcche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bohnenkraut<\/strong> &#8211; Wurde bei der Zubereitung von Bohnen, aber auch bei anderen Gem\u00fcsen mit genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Defrutum<\/strong> &#8211; Es handelte sich hier um eingekochten wei\u00dfen oder roten Traubensaft und war eine r\u00f6mische Spezialit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dill<\/strong> &#8211; Bei den R\u00f6mern wurde frisches Kraut verwendet und man verwendete auch die gelben Dolden als Deko bei Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Essig<\/strong> &#8211; Die Vorliebe f\u00fcr das S\u00fc\u00df-Saure bescherte dem Essig (Weinessig) einen besonderen Platz in der r\u00f6mischen K\u00fcche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fenchel<\/strong> &#8211; Man verwendete sowohl das Kraut als auch die Samen. Wie beim Dill eigneten sich auch die Bl\u00fcten sehr gut als Dekoration.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ingwer<\/strong> &#8211; Fein geschnittener Ingwer schmeckte besonders intensiv und gab vielen r\u00f6mischen Gerichten das gewisse Etwas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Koriander<\/strong> &#8211; Als Kraut oder als Samen war er ein Standardgew\u00fcrz der r\u00f6mischen K\u00fcche und wurde sowohl im Brot und Geb\u00e4ck, Gem\u00fcse, Fleisch oder sogar im W\u00fcrzwein besonders auch in Verbindung mit Knoblauch gesch\u00e4tzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>K\u00fcmmel\/Kreuzk\u00fcmmel<\/strong> -Geh\u00f6rte ebenfalls zu den Standardgew\u00fcrzen. W\u00e4hrend das gemeine Volk den heimischen K\u00fcmmel verwendete, importierten die r\u00f6mischen Gourmets wahrscheinlich den teuren Kreuzk\u00fcmmel aus Indien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lauch\/Schnittlauch<\/strong> &#8211; Diente damals wie heute als beliebtes W\u00fcrzkraut zu frischen Speisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Liebst\u00f6ckel <\/strong>&#8211; Neben Pfeffer, Bohnenkraut und Raute geh\u00f6rte Liebst\u00f6ckel zu den Lieblingsgew\u00fcrzen der r\u00f6mischen K\u00fcche. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Liquamen\/Garum<\/strong> &#8211; Es handelte sich um die ber\u00fchmte Fischlake, die rund um das Mittelmeer hergestellt und in alle Provinzen verschickt wurde. Mit Liquamen w\u00fcrzten die R\u00f6mer alles was aus der K\u00fcche kam. Fischinnereien, Sardinen, kleine Fische und Fischabfall wurde in einer Salzlake unter der Sonne in offenen Gef\u00e4\u00dfen zersetzt, mehrmals gefiltert und je nach Region mit Kr\u00e4utern verfeinert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lorbeer<\/strong> &#8211; Die getrockneten Bl\u00e4tter wurden sparsam als Gew\u00fcrz eingesetzt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Minze<\/strong> &#8211; Das Aroma ist sehr stark und wurde nur in kleiner Menge verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mulsum<\/strong> &#8211; Saurer Wein wurde mit Honig vers\u00fc\u00dft. Mit Schnee aus den Alpen schmeckte er besonders als Aperitif beim Essen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Oregano<\/strong> &#8211; Wurde sparsam in der K\u00fcche eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Petersilie<\/strong> &#8211; Spielte in der r\u00f6mischen K\u00fcche keine besondere Rolle und wurde nach dem Genuss von Knoblauch verwendet, um den unangenehmen Mundgeruch nach dem Mahl zu mildern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Pfeffer<\/strong> &#8211; Wer es sich leisten konnte verwendete Pfeffer fast bei allen Gerichten und hier wurde nicht gespart. Er war sehr teuer und wurde zum Statussymbol der Wohlhabenden. Vermutlich wurde nur schwarzer Pfeffer verwendet.  Offenbar sch\u00e4tzten die R\u00f6mer den Biss auf ein ganzes Pfefferkorn als besonderen Kick.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Raute<\/strong> &#8211; Die Raute, auch als Weinraute bezeichnet, wurde sparsam bei Fleischgerichten verwendet und gab ihnen einen charakteristischen Geschmack. Auch beim W\u00fcrzen von Wein und Essig kam sie zum Einsatz. (<strong>Allergiker sollten dieses Gew\u00fcrz aber meiden<\/strong>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Safran<\/strong> &#8211; Die R\u00f6mer nutzten Safran zum W\u00fcrzen von Fleisch und Fisch und als Zusatz zum Wein, der dadurch eine goldgelbe Farbe erhielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Salz <\/strong>&#8211; Wurde so gut wie nie in der r\u00f6mischen K\u00fcche verwendet, da offenbar als Salzersatz das Liquamen verwendet wurde. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sellerie<\/strong> &#8211; Als Samen, Kraut oder Knolle geh\u00f6rte der Sellerie mit zu den beliebtesten Gew\u00fcrzen der R\u00f6mer. Er galt als heiliges Kraut und wurde mit dem Tod in Verbindung gebracht. So geh\u00f6rte eine Selleriespeise selbstverst\u00e4ndlich zu jedem Leichenschmaus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wein<\/strong> &#8211; Spielte in der r\u00f6mischen K\u00fcche eine besondere Rolle. So wurde bei besonderen Anl\u00e4ssen der Brotteig mit Wein anger\u00fchrt. Fleisch, Gem\u00fcse schmorte man in Wein  und schmeckte auch So\u00dfen mit Wein ab.   <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Kochbuch des Apicius<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bekannteste Kochbuch aus der Zeit des Kaisers Tiberius sind die 10 Kapitel des Feinschmeckers Apicius mit dem Titel &#8222;De re coquinaria&#8220; und bedeutet \u00fcbersetzt auf Deutsch &#8222;\u00dcber die Kochkunst&#8220;. Hier werden fast 500 Rezepte aufgef\u00fchrt, die die Geheimnisse der r\u00f6mischen Kochkunst beinhalten und voll von skurrilen und exotischen Rezeptvorschl\u00e4gen handeln. Der Schriftsteller Plinius hat in als den &#8222;gr\u00f6\u00dften Verschwender und Prasser&#8220; seiner Zeit bezeichnet. Nachdem er den gr\u00f6\u00dften Teil seines Verm\u00f6gens (100 Millionen Sesterzen) allein f\u00fcr seine aufw\u00e4ndige K\u00fcche ausgegeben hatte, blieben ihm nur noch 10 Millionen Sesterzen. Aus Angst, dass er dann zuk\u00fcnftig sein aufw\u00e4ndiges Leben nicht mehr fortf\u00fchren k\u00f6nnte, beendete er sein Leben mit Gift. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Apicius teilte sein Kochbuch in verschiedene Bereiche wie der sparsame Wirtschafter, Tipps zur Verbesserung von Weinen oder verschiedene Konservierungsmethoden. Ein Kapitel widmete sich H\u00fclsenfr\u00fcchten und dem Gefl\u00fcgel, den Meeresfr\u00fcchten und Fischen und ein Kapitel war besonders dem besonderen Gourmet gewidmet. Nat\u00fcrlich muss ber\u00fccksichtigt werden, dass seine Rezepte nicht vom einfachen R\u00f6mer genossen werden konnten. Hier bewegte man sich in einem Bereich der oberen 10.000, die opulente Gastm\u00e4hler von professionellen Kochsklaven ausrichten lie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Beispiel kann man das Gastmahl des Trimalchio von Petronius heranziehen. Hier wurde eine gewaltige V\u00f6llerei geschildert. Um das Ausma\u00df des Gelages zu vermitteln wird folgendes von Petronius aufgef\u00fchrt: <em>&#8222;&#8230; es folgte eine Platte, auf der ein Keiler erster Gr\u00f6\u00dfenordnung mit einer Freiheitsm\u00fctze (dies war eine M\u00fctze, die freigelassene Sklaven trugen), und so, dass an seinen Hauern zwei K\u00f6rbchen aus geflochtenen Palmbast hingen, die mit syrischen und \u00e4gyptischen Datteln gef\u00fcllt waren. Ringsherum waren winzige, aus Knusperteig bereitete Ferkel so gelegt, als ob sie sich nach den Zitzen dr\u00e4ngten, um anzudeuten, ein Mutterschwein sei aufgetischt. Nun sie waren als Souvenir gedacht. Im \u00fcbrigen kam zum Zerlegen des Keilers &#8230; ein b\u00e4rtiger Riese mit Wickelgamaschen an den Waden und einem wasserdichten Cape drapiert; der zog seinen Hirschf\u00e4nger und stie\u00df ihn dem Keiler t\u00fcchtig in die Flanke, worauf Krammetsv\u00f6gel (Wachholderdrosseln) aus dem Riss hochflogen. Vogelsteller mit Leimruten fingen die im Speisesaal umherflatternden Tiere im Nu ein &#8230;&#8220;<\/em> (Zitat aus: Gastmahl des Trimalchio, Petron) Die Krammetsv\u00f6gel wurden dann ebenfalls in der K\u00fcche f\u00fcr das gleiche Mahl zubereitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Texte und Fotos folgen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer heutzutage Urlaub in den s\u00fcdlichen L\u00e4ndern macht wird festgestellt haben, dass hier das Fr\u00fchst\u00fcck eher bescheiden ausf\u00e4llt und auch das Mittagessen mehr einem Imbiss gleicht, den die Einheimischen zu sich nehmen. 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