{"id":483,"date":"2016-10-14T16:51:30","date_gmt":"2016-10-14T16:51:30","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.roemische-legion.de\/?page_id=483"},"modified":"2024-10-11T09:01:34","modified_gmt":"2024-10-11T09:01:34","slug":"geschichte-noricums","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.roemische-legion.de\/de_de\/?page_id=483","title":{"rendered":"Legio II Italica &#8211; Geschichte Noricums"},"content":{"rendered":"<h2>Die Kelten und die\u00a0R\u00f6mer in Noricum<\/h2>\n<p>Auf Grund vieler arch\u00e4ologischer Funde l\u00e4\u00dft sich der urspr\u00fcngliche Siedlungsraum der Kelten in einem Gebiet zwischen der Marne (Frankreich) im Westen, B\u00f6hmen im Osten, den Mittelgebirgen\u00a0im Norden und der Schweiz im S\u00fcden lokalisieren. Mit dem Auftreten der Kelten gibt es einschneidende Ver\u00e4nderungen in der mediterranen Welt. Die Kelten, von den Griechen Galater, von den R\u00f6mern Gallier genannt, werden in der\u00a0 schriftlichen \u00dcberlieferung erst um die Mitte des vorchristlichen Jahrtausends genannt.<\/p>\n<p>15 vor Chr. greifen die Stiefs\u00f6hne des r\u00f6mischen Kaisers Augustus in einem Zangenangriff die letzten freien Keltenst\u00e4mmer n\u00f6rdlich der Alpen an, um sie zu unterwerfen.\u00a0(Drusus von S\u00fcden \u00fcber die Alpenp\u00e4sse\u00a0nach R\u00e4tien und Tiberius im Westen von Gallien aus). Die Sieger errichten ein Denkmal, das\u00a0&#8222;Tropaeum Alpium&#8220; von La Turbie.\u00a0Die Inschrift\u00a0nennt die Namen von\u00a046 unterworfenen St\u00e4mmen. Darunter auch die Ambisontes aus Noricum. (Die 170 erhaltenen Fragmente der im Mittelalter zerst\u00f6rten Inschrift konnten zusammengesetzt werden, weil von Plinius Secundus der gesamte Text \u00fcberliefert ist).<\/p>\n<p>Unklar ist zur Zeit des Feldzuges die Situation im Osten au\u00dfer den Kampfhandlungen gegen die\u00a0Ambisontes\u00a0im Flusstal der oberen Salzach (im heutigen Pinzgau).\u00a0Ansonsten bieten\u00a0die guten Beziehungen des norischen K\u00f6nigreiches zu Rom kaum einen Anlass\u00a0milit\u00e4risch aktiv zu werden. Als Tiberius bei Carnuntum 6 nach Chr. eine gro\u00dfe Expeditionsarmee gegen das Markomannenreich des K\u00f6nig Marbod im heutigen B\u00f6hmen zusammenzieht, wird Carnuntum immer noch als Teil des norischen K\u00f6nigreiches genannt. Das\u00a0politische und wirtschaftliche Zentrum von Noricum befindet sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Magdalensberg (in K\u00e4rnten).\u00a0Auf Widmungsinschriften, die im Jahr 2 v. Chr. in Verbindung mit der Kaiserin Livia und Julia, der Tochter des Kaisers Augustus,\u00a0von den neun norischen St\u00e4mmen gestiftet werden, erscheinen die Namen\u00a0Norici (Namensgeber des Gebietes rund um den Magdalensberg in K\u00e4rnten), die Ambilini\/Ambilici aus dem Gailtal, Ambidravi von der oberen Drau, die Uperaci aus dem nordwestlichen Slowenien und s\u00fcdliche Steiermark, die Saevatres aus dem Pustertal, die Laianci\u00a0aus Osttirol, die Ambisontes von der oberen Salzach im Pinzgau und die Elveti aus dem Bereich des Ossiacher Sees.<\/p>\n<p>Um die Mitte des 1. Jahrhunderts wird in\u00a0Noricum die\u00a0provisorische r\u00f6mische Verwaltung durch eine formelle Errichtung einer Provinz ersetzt. R\u00f6mische Truppen sind ja bereits auf dem Magdalensberg stationiert. Zeitgleich erfolgt als weitere Ma\u00dfnahmen der Stra\u00dfenbau und die Neugr\u00fcndung von St\u00e4dten. Die Bev\u00f6lkerung erlangt mit dem sogenannten ius latii\u00a0eine Vorstufe des r\u00f6mischen B\u00fcrgerrechtes. Urheber ist\u00a0Kaiser Claudius (41 &#8211; 54 n Chr.). Unter seiner Regierung entsteht die wichtigste Nord-S\u00fcd-Verbindung f\u00fcr Noricum. Von Aquileia verl\u00e4uft die norische Hauptstra\u00dfe \u00fcber den Raum Villach, den Katschberg und Radst\u00e4tter Tauernpass nach Salzburg und \u00fcber Wels nach Enns (Lauriacum). Eine zweite Strecke verbindet Virunum (die neue Provinzhauptstadt unterhalb des Magdalensberges) und Lauriacum \u00fcber den Neumarkter Sattel, den Pyhrnpass durch das Kreustal.\u00a0Neben den Stadtgr\u00fcndungen\u00a0k\u00f6nnen erstmals\u00a0r\u00f6mische Statthalter als oberste Verwaltungsbeamte nachgewiesen werden. Weitere\u00a0Ma\u00dfnahmen sind\u00a0die Zusammenlegung\u00a0Norikums mit der stark milit\u00e4risch gesicherten Provinz Pannonien.\u00a0Durch den regen Handel\u00a0und die Neuansiedlung von Zivilpersonen, Handwerkern und H\u00e4ndlern lernt die\u00a0Bev\u00f6lkerung\u00a0nun einen neuen Lebensstil kennen.\u00a0Das Land wird durch Villa Rusticae, gro\u00dfe Gutsh\u00f6fe, landwirtschaftlich erschlossen. Auch die r\u00f6mische\u00a0Kultur macht gro\u00dfen Eindruck auf die Bev\u00f6lkerung. Nie gekannter Luxus ist greifbar. Geb\u00e4ude aus Stein mit Dachziegeln, Brunnen, Wasserleitungen, geheizte B\u00e4der, Abwasserkan\u00e4le sind sehr beeindruckend. Eine umfassende Organisation bedeutet das Ende von Hungersn\u00f6ten. Das immer besser ausgebaute Stra\u00dfennetz er\u00f6ffnet neben dem\u00a0Kulturaustausch auch\u00a0Handelsbeziehungen mit anderen V\u00f6lkern. Die Mehrheit der Einwohner bilden Kleinbauern, Handwerker und kleine Kaufleute. Gr\u00f6\u00dfere Grundbesitzer, eingewanderte Italiker und pensionierte Offiziere, bilden die Oberschicht in den St\u00e4dten. Die starke Hand des r\u00f6mischen Imperiums wacht \u00fcber Noricum und ist in allen Bereichen des t\u00e4glichen Lebens sp\u00fcrbar. Das r\u00f6mische Recht l\u00f6st die althergebrachte Rechtsprechung ab und die r\u00f6mische W\u00e4hrung erleichtert den Handel.<\/p>\n<h3><strong>B\u00fcrgerkrieg, Feinde von au\u00dfen und r\u00f6mischer R\u00fcckzug<\/strong><\/h3>\n<p>Mit der gro\u00dfen Reichspolitik kommt die Provinz Noricum zum ersten Mal im Jahr 69 n. Chr. in Ber\u00fchrung. In den Wirren nach dem Tod von Kaiser Nero melden sich verschiedene Thronanw\u00e4rter (Galba, Otho, Vitellius und Vespasian). Nachdem in Noricum keine Legionen stationiert sind, zeigt sich, dass man vom starken pannonischen Milit\u00e4rkommando abh\u00e4ngig ist. Als sich der Milit\u00e4rkommandant von Untergermanien, Lucius Vittelius, entschlie\u00dft, den Kampf um die Kaiserw\u00fcrde anzutreten, schickt der Statthalter von Noricum den Sextilius Felix mit der ala Auriana, acht Kohorten der norischen Jungmannschaft und rasch ausgehobenen Bewaffneten an den Inn, um das \u00f6stliche Ufer zu sichern. Der Fluss\u00fcbergang bei der Siedlung Ad Enum d\u00fcrfte wohl als erstes besetzt worden sein. Es gibt keine K\u00e4mpfe. Nur kurz darauf, als Vespasian im Orient als Thronaspirant ausgerufen wird, ist er erneut gezwungen am Inn die Grenze zur Provinz R\u00e4tien zu sichern. Somit\u00a0 ist der Inn nicht nur Grenze zweier Provinzen, sondern auch zweier \u00fcbergeordneter milit\u00e4rischer Kommandobereiche und Zollbezirke. Unter Kaiser Trajan (98 &#8211; 117 n. Chr.) erreicht das r\u00f6mische Reich seine gr\u00f6\u00dfte Ausdehnung. Die folgenden 50 Jahre gelten allgemein als Friedenszeit. Aber bereits um die Mitte des 2. Jahrhunderts macht sich Unsicherheit gegen die am jenseitigen Ufer siedelnden germanischen St\u00e4mme bemerkbar. W\u00e4hrend unter Kaiser Marc Aurel (161 &#8211; 180 n. Chr.) im Orient gegen die Parther Krieg gef\u00fchrt wird, durchbrechen erstmalig germanische und sarmatische V\u00f6lkerschaften die Grenze und dringen tief in das r\u00f6mische Reich vor. Besonders im Bereich der \u00f6sterreichischen Donau ziehen die Markomannen bis nach Italien und belagern sogar Aquileia. Der Kaiser greift pers\u00f6nlich ein, vertreibt die Eindringlinge und f\u00fchrt offensiv Krieg im Feindesland. Da permanent nun die Germanen hinter der Donau einen unberechenbaren Sicherheitsfaktor darstellen, wird zur Verst\u00e4rkung der Grenzverteidigung die Legio II Italica aufgestellt und in Noricum stationiert. Als der Kaiser in einem Ort bei Sirmium (Sremska Mitrovica) an der Donau oberhalb Belgrads stirbt, beendet sein Sohn und Nachfolger Commodus (180 &#8211; 192 n. Chr.) den Krieg ohne Gebietsanspr\u00fcche. Unter Kaiser Diokletian (284-305 n. Chr.) wird Noricum in Noricum Ripense (Ufernoricum) und Noricum Mediterraneum (Binnennoricum im S\u00fcden) geteilt. Das Milit\u00e4r untersteht nun einem General, dem dux Pannoniae primae et norici ripensis. Unter Kaiser Diocletian wird zus\u00e4tzlich die Legio I Noricorum aufgestellt, um die in Noricum Ripense stationierte Legio II Italica zu entlasten. So sichert sie den \u00f6stlichen Teil des norischen Donaulimes. Ab dem 4. Jahrhundert wird sie haupts\u00e4chlich auf Liburnen (leichte Flusspatrollienschiffe) auf der Donau eingesetzt. Die Anzahl der Einheiten hat sich vergr\u00f6\u00dfert. Diese haben aber eine geringere Truppenst\u00e4rke. Zus\u00e4tzlich zu den Grenztruppen gibt es im Hinterland neue und beweglichere Verb\u00e4nde. Im 3. und auch im 4. Jahrhundert finden an der n\u00f6rdlichen Reichgrenze vermehrt verlustreiche Scharm\u00fctzel und Gefechte gegen andr\u00e4ngende Barbaren statt (In Noricum z. B. die germanischen Quaden). Im 5. Jahrhundert findet man in zunehmenden Ma\u00df germanische Soldaten (foederati), die angeworben werden, um die Grenzen manchmal sogar gegen eigene Stammesangeh\u00f6rige zu verteidigen. 405 n. Chr. f\u00e4llt der Ostgote Radagais in Norikum ein, seit 407 steht der Westgote Alarich st\u00e4ndig in Noricum. Wenige Jahrzehnte sp\u00e4ter sind es die Hunnen Attilas und seine Kriegsz\u00fcge, die das Gebiet von Noricum verheeren. Das germanische Volk der Rugier besetzte Noricum, ihr Reich wurde aber um 488 von dem Bruder (Onoulf), des r\u00f6mischen Heermeisters Odoaker zerst\u00f6rt. Nachdem Noricum gegen den immer st\u00e4rker werdenden Druck von au\u00dfen nicht mehr zu halten ist, verlassen um 488 n. Chr. auf Anordnung Odoakers die romanisierten Bewohner und das Milit\u00e4r Ufernorikum endg\u00fcltig. Trotzdem gehen ganze Siedlungsgemeinschaften nicht mit und als germanische V\u00f6lkerschaften, wie die Bajuwaren aus dem Westen und Avaren und Slawen aus dem Osten das Gebiet in Besitz nehmen, sto\u00dfen sie auf die &#8222;Walchen&#8220; &#8211; &#8222;Welsche&#8220;, also lateinisch sprechende Bewohner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kelten und die\u00a0R\u00f6mer in Noricum Auf Grund vieler arch\u00e4ologischer Funde l\u00e4\u00dft sich der urspr\u00fcngliche Siedlungsraum der Kelten in einem Gebiet zwischen der Marne (Frankreich) im Westen, B\u00f6hmen im Osten, den Mittelgebirgen\u00a0im Norden und der Schweiz im S\u00fcden lokalisieren. Mit dem Auftreten der Kelten gibt es einschneidende Ver\u00e4nderungen in der mediterranen Welt. 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