Die Kelten und die Römer

Zwei unterschiedliche Kulturen, die mehrmals bei kriegerischen Auseinandersetzungen aufeinander trafen. Dieser kurze Beitrag dürfte für Jedermann interessant sein, der sich mit den Kelten und Römern beschäftigt. Der Schwerpunkt dieses Beitrags über die Kelten liegt auf dem europäischen Festland.

Der Eroberungsfeldzug der Römer nach England und seine späteren Auswirkungen wird weggelassen und bekommt einen eigenen Beitrag unter der Überschrift „Das keltische Britannien“.

Aufstieg und Niedergang der Kelten vollzogen sich gleichermaßen für Historiker spektakulär. Aus ihrem Stammland nördlich der Alpen gelegen, drangen die Stämme vom 5. bis 3. Jahrhundert vor Chr. in alle Richtungen vor. Über die Alpenpässe nach Süden, die Donau entlang bis Ungarn und über die Nordsee bis nach Ostbritannien. Aus der Poebene ergossen sich Kriegerhorden über den Apennin und versetzten Etrusker wie Römer in Angst und Schrecken. Trotz gemeinsamer Anstrengungen der griechischen Stadtstaaten konnten keltische Horden nicht daran gehindert werden bis kurz vor das heilige Delphi vorzudringen.

Da es den Kelten an Strategie und Zielstrebigkeit mangelte, die eroberten Gebiete zu halten, erstarkte Rom und die hellenistische Welt. Die Eindringlinge wurden unter Kontrolle gebracht und schließlich vertrieben. In der Poebene duldete man sie noch eine Zeitlang. Doch durch den zweiten Punischen Krieg (Hannibal) erkannte Rom die Gefährlichkeit seiner Nachbarn an der Nordgrenze und begann mit einer systematischen Unterwerfung. Im 2. Jahrhundert v. Chr., nach einer Reihe entscheidender Siege, annektierte Rom das Cisalpine Gallien und zur gleichen Zeit wurden die Galater von den pergamenischen Königen überwunden. Germanenstämme im Norden und der emporstrebende Dakerstaat im Osten bekämpften ebenfalls die Kelten. Nachdem Gaius Julius Cäsar intervenierte und die Herrschaft Roms über ganz Gallien ausdehnte, wurde unter den römischen Kaisern Augustus und Tiberius der Rest des keltischen Europas unterworfen. Die gallo-römische Kunst, ein neuer Mischstil, war die kulturelle Frucht dieser Unterwerfungen.

Die Kelten, von den Griechen Galater, von den Römern Gallier genannt, treten in der schriftlichen Überlieferung erst um die Mitte des vorchristlichen Jahrtausends aus dem Dunkel der Geschichte. Am 18. Juli 387 v. Chr. vernichteten sie an der Allia, einem Nebenfluss des Tibers, das Heer der Römer und Latiner. Anschließend nahmen sie unter ihrem König Brennus Rom ein und besetzten die Stadt sieben Monate lang. Nachdem die Besiegten bereit waren ein Lösegeld zu bezahlen, zogen die Kelten mit großer Beute wieder ab. „Gleich bei ihrem ersten Einfall bemächtigten sie sich des ganzen Landes…“ schreibt der griechische Philosoph und Historiker Plutarch (50 – 125 n. Chr.).

Dieser erste militärische Zusammenstoß zwischen zwei großen Kulturen, in diesem Fall siegreich für die Kelten, erschütterte ganz Mitteleuropa. Vorausgegangen waren größere Züge keltischer Volksstämme, um neue Siedlungsorte zu gründen. So verließen z.B. einheimische Kelten ihre befestigten Höhensiedlungen in Nordbayern und hörten auf, ihre Toten in Grabhügeln zu bestatten, wie dies in der Hallstattzeit üblich war. Aufgrund des latenezeitlichen Kunststiles lässt sich der ursprüngliche Siedlungsraum der Kelten in einem Gebiet zwischen Marne/Frankreich im Westen, Böhmen im Osten, den Mittelgebirgen im Norden und der Schweiz im Süden lokalisieren. Mit dem Auftreten der Kelten und ihrer Kultur gab es einschneidende Veränderungen in der mediterranen Welt. Beeinflusst von norditalischen, etruskischen und griechischen Impulsen entwickelte sich eine einzigartige Kunst, in der klassische Elemente mit barbarischen Ornamenten und religiösen/mystischen Vorstellungen verschmolzen.

Neue Formen von Grabsitten, Kleidertracht, Stil des Schmucks und insbesondere der Bewaffnung veränderten althergebrachte Strukturen. So entstanden z.B. auf der Töpferscheibe, die aus dem Mittelmeerraum übernommen wurde, wahre Kunstwerke und die Glasverarbeitung erlebte mit Armringen und Perlen aus buntem Glas einen neuen Höhepunkt.

Um 220 v. Chr. erfolgte der nächste große Keltenkrieg. Die Stämme der Insubrer und Boier wurden von den Römern in mehreren Gefechten besiegt und räumten um 190 v. Chr. die Gallia Cisalpina. Diese zwei Stämme siedelten schon lange südlich des Flusses Po und gründeten bedeutende Orte wie Bononia (Bologna) und Mediolanus (Mailand). Danach fand man sie nur noch nördlich der Alpen. Währen die Boier aus Oberitalien abrückten, wurden in Nordbayern große Befestigungsanlagen durch die Kelten gebaut. Auch in Inneren des Landes wie im mittelbayerischen Raum von Manching und Kelheim. Erfolgte bereits in dieser Zeit Druck von nördlich lebenden germanischen Stämmen auf das keltische Kernland?

So verließen um 120 v. Chr. zwei germanische Stämme, die Kimbern zusammen mit den Teutonen ihre Heimat an der Nordsee und zogen in Richtung Italien. Nachdem sich die Stämme trennten, zogen die Kimbern von Norden her kommend durch Norikum (östlich von Bayern) nach Süden. Nach Kämpfen mit in Bayern lebenden Kelten, erzählt durch den in Rom tätigen griechischen Gelehrten Poseidonios (135 – 51 v. Chr.), wichen die Kimbern nach Westen aus und zogen über das Land der Helvetier nach Italien. In seinem Bericht kam es zu schweren Gefechten zwischen den Germanen und der einheimischen Bevölkerung. Nachdem sie in Italien einfielen und mehrere größere Römerheere schlugen, gelang es den Römern unter größten Anstrengungen dennoch ein Sieg über die germanischen Nordvölker. Allerdings blieb die Furcht der Römer vor den Barbaren jenseits der Alpen immer bestehen.

60 Jahre später begann eine große Wende für die keltische und germanische Bevölkerung Nordeuropas. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Entwicklung der keltischen Kultur weitgehend ungestört vorangeschritten. 58 v. Chr. begann der römische Konsul und Feldherr Gaius Julius Cäsar mit einem großangelegten Angriff auf Gallien. Ein vereinigtes keltisches Volk gab es nicht, wohl aber wechselnde Bündnisse zwischen den Stämmen, ebenso Streitigkeiten und Kleinkriege. Als die keltischen Helvetier aus der heutigen Schweiz von den Germanen bedrängt wurden und in einem großen Zug auf der Suche nach neuem Siedlungsraum waren, hatte Cäsar einen Grund zum Eingreifen. Mit der Begründung, die Freunde des römischen Reiches zu schützen, nämlich das Land der keltischen Allobroger, wurden die Helvetier als erstes bei Bibracte besiegt. Nach vielen Schlachten zwischen den Kelten und den Römern erfolgte die Niederwerfung der Kelten durch die Besetzung Galliens zwischen 58 und 56 v. Chr. Immer spielte Cäsar in der Machtpolitik die keltischen Stämme untereinander aus. Doch die Unterstützung, die sich einige Stämme im „Inner-Gallischen-Konflikt“ erhofften, war trügerisch. Die grausamen Feldzüge bis auf die britischen Inseln hinterließen ein Feld der Zerstörung. Städte wurden niedergebrannt, keltische Zivilisten massenweise getötet oder in die Sklaverei geführt.

Keltischer Standartenträger – Foto Antiquecollection/India

In die Auseinandersetzungen waren auch Völker östlich des Rheins verwickelt, die von Cäsar in seinem Kriegstagebuch „De Bello Gallico“ als Germanen bezeichnet werden. 55 v. Chr. wagte sich Cäsar das erste Mal über den Rhein und über den Kanal nach Britannien. 54 erfolgte seine zweite Fahrt über den Kanal. Zwei Jahre später erkämpfte er sich laut seinem Kriegsbericht den größten Sieg bei Alesia/Frankreich über die Kelten, die sich unter der Führung des Vercingetorix zusammengeschlossen hatten. Obwohl viele keltischen Stämme von der Zusammenarbeit mit Cäsar profitierten, schloss sich eine große Zahl keltischen Völkern zu einem Aufstand gegen Cäsar zusammen.

Eberstandarte Soulac sur Mer / Foto www.armae.com

52 v. Chr. war das Jahr der Entscheidung. Nach kleineren Scharmützeln verlor Cäsar bei einem Angriff auf Gergovia über 700 Legionäre und 46 Centurionen. Nach der Nachricht über den Sieg unterstellten sich immer mehr Stämme dem Kommando des jungen Keltenfürsten Vercingetorix. Nach einem missglückten Überfall auf die römische Armee zogen sich dann die keltischen Truppen in die Stadt Alesia zurück. Cäsar belagerte die Stadt mit allen Regeln der römischen Belagerungskunst, baute einen Belagerungswall um die Stadt, sowie einen weiteren Wall mit Gräben und Türmen gegen das anrückende Entsatzheer. Über 250.000 Kelten (laut Cäsar) kämpften gegen 50.000 Römer. Aber die römische Kriegsmaschine erwies sich als überlegen. Im September 52 v. Chr. ergab sich Vercingetorix. Gallien war erobert und römische Provinz. Plutarch spricht von einer Million Toten und einer weiteren Million, die in die Sklaverei geführt worden war.

Keltische Kriegstrompete – Carnyx

Cäsars eigene Version über die Kelten und ihre Sitten finden wir in seinem Tagebuch, das seinen Feldzug in Gallien und die Unterdrückung der „Keltischen Barbaren“ rechtfertigen soll. Besonders wichtig ist unter anderem seine Beschreibung der Druiden, den Bewahrern der Überlieferungen, Sagen, Legenden, Gesetze und Rituale dieses Volkes, das im Gedächtnis bewahrt und nur in mündlicher Form weitergegeben wurde. Dies könnte auch erklären, dass von den Kelten keinerlei schriftliche Berichte vorliegen, den Cäsar deutet an: „Die Druiden betrachteten es als gesetzwidrig, ihr Wissen schriftlich niederzulegen.“ Sie übernahmen nur die Alphabete ihrer Nachbarn wie der Etrusker, der Griechen und vor allem der Römer, um sie für Inschriften auf Münzen, Waffen und Denkmälern zu verwenden. Später entwickelte die irische Kultur die sogenannte Oghamschrift, ein System von in Stein oder Holz geschnitzte Kerben. Vieles über die Kelten haben wir nur durch mündliche Überlieferung oder die Schriften ihrer griechischen und römischen Zeitgenossen erfahren, sowie durch Freilegung ihrer Siedlungen und Gräberfeldern in weiten Teilen Europas.

Die griechischen und römischen Historiker beschrieben die Kelten als hochgewachsene, wohlgestaltete, hellhaarige Menschen. Die besonders als geschickte Reiter und Streitwagenfahrer geschilderten Kelten waren furchtlos im Kampf, aber auch energisch, streitsüchtig und sehr prahlerisch. Geschildert wurde vor allem, wie Krieger vor dem Kampf ihr Haar mit Gipslauge wuschen, so dass es nach dem griechischen Geschichtsschreiber Diodor, durch diese Behandlung „so steif wurde, dass es der Mähne eines Pferdes ähnelte“ und steil nach oben stand. Große borstige Schnurrbärte wirkten ebenfalls sehr barbarisch. Die Kelten waren auch als hervorragende Schwertkämpfer bekannt, gebrauchten auch Wurfspieße und Speere. Zu seinem Schutz führte der Keltenkrieger einen großen ovalen Schild bei sich. Laut Dionysios haben die Kelten im Kampf ihre Schwerter über den Kopf herumgewirbelt, sie hin und her durch die Luft gezogen und dann von oben drein gehauen.

Griechische Schriften enthalten die frühesten Hinweise auf die Kelten oder Keltoi, wie die Griechen sie nannten. Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. werden die Kelten in Frankreich, Spanien und an der Nordseeküste als Bewohner erwähnt. Der griechische Geograph Hekataios von Milet schrieb um 500 v. Chr. über die Kelten in Frankreich, vor allem im Bereich von Massalia, dem heutigen Marseille. Und wenige Jahrzehnte später sind in den Schriften von Herodot die Kelten als Volk am Oberlauf der Donau und jenseits der Säulen des Herkules, der Straße von Gibraltar, aufgeführt.

Besonders der griechische Geschichtsschreiber Polybios (2. Jhd. vor Chr.) liefert das vollständigste Bild über die Kelten aus dieser Zeit als Volk. Neben den Hinweisen über die Bekleidung, die Waffen, Sitten und Gebräuche war der Hinweis von Polybios besonders interessant über die Gewohnheit der Kelten unbekleidet zu kämpfen und die Köpfe ihrer Feinde abzuschneiden, um sie als Trophäen an das Zaumzeug ihrer Pferde zu hängen oder in Heiligtümern auszustellen. Zahlreiche Kopfdarstellungen auf Schmuck oder Waffen oder in Form von steinernen Schädeln belegen diese Eigenheit archäologisch.

Nachdem die Römer immer öfters mit den Kelten konfrontiert wurden, beschäftigten sich die römischen Schreiber sehr intensiv mit diesem Volk. Livius schrieb im ersten Jahrhundert v. Chr. als Erster eine Zusammenfassung über die militärischen Zusammenstöße der „Celtae oder Galli“ mit den Römern im 4. Jhd. v. Chr. Unter anderem mutmaßte er, die Kelten hätten die Alpen nur überschritten, den sie würden „angelockt von den köstlichen Früchten und insbesondere vom Wein.“

Nachdem die Gallier von Cäsar unterworfen waren, bestand noch der sogenannte raetische Keil. Hier wohnten unter Anderem die Boier, die Vindeliker und Noriker. Die Vindeliker, die den schwäbischen Teil Süddeutschlands besiedelten, teilten sich in die vier Stämme der Cosuaneten, Rukinaten, Likatier und Catenaten auf. Die Kelten, die von Horaz als „siegreiche Scharen“ bezeichnet wurden, stellten für Rom ein Sicherheitsrisiko dar. Denn man wusste um die moderne Waffentechnik und Waffenherstellung der Kelten. Das norische Eisen (ferrum noricum) war auch den Römern ein Qualitätsbegriff. Sie importierten es ja selbst aus dem Gebiet der Noriker, das durch eine „friedliche Unterwerfung“ und Verträge an Rom gebunden war.

Auch in Manching und Kelheim sind große Eisenschmieden nachweisbar und von daher kamen vorzügliche Schwerter. Sie waren in der Regel bis zu 80 cm lang, hiebfest, biegsam und hatten scharfe Schneiden. Von ebensolcher Qualität waren auch Lanzenklingen und eiserne Helme. Die von den Kelten erfundenen Kettenhemden hatten auch in der römischen Armee ihre Verwendung gefunden. Trotzdem fasste man in Rom den Beschluss der keltischen Bedrohung endgültig ein Ende zu machen. „Ganz Germanien muss Römisch werden!“ entschied Kaiser Augustus. Durch die Beseitigung des raetischen Keiles, der Lücke zwischen dem gallischen Rhein und der illyrischen Donau durch die Adoptivsöhne des Augustus, Tiberius und Drusus im Jahre 15 v. Chr. erfolgte ein weiterer Schritt der römischen Expansionspolitik. Ein römischer Sieg, angeblich am 1. August 15 v. Chr. in einer schweren Schlacht errungen, beendete den Feldzug und sicherte die römische Herrschaft über die Zentralalpen und das Voralpengebiet bis zur Donau. Wo diese Schlacht stattgefunden haben soll ist bis heute nicht bekannt.

Die Römer siegten und Seneca schreibt erfreut, „dass der Sieg über die Feinde als Befriedung der Alpenländer“ zu sehen ist. 32 Jahre später schreibt Strabo um 17 n. Chr. „Seitdem halten sie Ruhe und bezahlen ordentlich ihre Steuern…“ Über die Kelten schrieb er unter anderem schließlich „…Die Frauen sind fruchtbar und sorgsam in der Kinderpflege. Die Männer hingegen sind bessere Krieger als Bauern. Jetzt sind sie nach Niederlegung der Waffen gezwungen die Felder zu bestellen.“ Da nach der Besetzung 15. v. Chr. immer noch die Gefahr einer Rebellion gegeben war, wurden viele junge Männer nach Süden verschleppt, wo sie Soldaten und Sklaven wurden …“ berichtet Cassius Dio. „Deshalb hat man nur so viele Männer zurückgelassen, die befähigt sind, die Felder zu bestellen, aber unfähig einen Aufstand zu beginnen.“

Noch heute erinnert ein Denkmal nördlich von Monaco, das Tropaeum Alpium“ von La Turbie an den Sieg über die Kelten. Von der Inschrift sind aber nur noch Reste erhalten. Von Plinius Secundus ist der gesamte Text überliefert. Er nennt in diesem Zusammenhang vier Stämme der geschlagenen Vindeliker: Die Cosuaneten, die Rukinaten, die Likanier und die Catenaten.

Die Gefahr eines Aufstandes wurde auch dadurch begegnet, dass die Druiden als Träger der keltischen Kultur und Religion mit allen Mitteln bekämpft und die Ausübung ihrer Tätigkeit verboten wurde. Das eroberte Gebiet wurde in zwei Provinzen aufgeteilt. Raetien, das sich vom Inn bis zum Bodensee erstreckte und Noricum, dessen Gebiet vom Inn bis nahe Wien reichte. Als Verwaltungshauptstadt wurde bei den Raetern Augsburg eingerichtet, das ein römischer Stützpunkt allererster Ordnung war. Man weiß nicht wie viele Kelten sich nach der Besetzung durch die Römer noch im Nordalpenraum aufgehalten haben. Die Kelten waren gründlich geschlagen und die Kämpfe und nachfolgenden Verschleppungen nach 15 v. Chr. kosteten sicherlich vielen Menschen das Leben.

Nachdem ganz Gallien vom Rhein bis zur Donau endgültig der römischen Herrschaft unterstellt war, nahmen die Kelten schnell die Lebensweise der Eroberer an. Das Land wurde durch Villae Rusticae, große Gutshöfe zur Versorgung der städtischen Bevölkerung und des Militärs, landwirtschaftlich erschlossen. Auch machte die römische Kultur einen großen Eindruck auf die einheimische Bevölkerung. Nie gekannter Luxus wurde plötzlich greifbar. Prunkvolle Thermenanlagen und andere Gebäude aus Stein ließen die eigenen Traditionen verblassen. Eine umfassende Organisation bedeutete das Ende aller Hungersnöte. Ein gut funktionierendes Straßennetz eröffneten dem Kulturaustausch mit anderen Völkern neue Möglichkeiten. Die starke Hand des römischen Imperiums war in allen Bereichen des täglichen Lebens spürbar. Auch wenn Latein und der spätere Kaiserkult in den Provinzen gefördert wurde, kam es zu einem Arrangement beider Völker. Besonders im religiösen Bereich wurden in Tempelbezirken keltische und römische Gottheiten nebeneinander verehrt. Auch drückte sich die kultische Überzeugung im keltischen Kunsthandwerk aus. Die heimische Oberschicht behielt ihren Einfluss und wurde im römischen Interesse tätig. Sie subventionierte zum Beispiel Theater oder öffentliche Gebäude und Bäder, befehligte als Offiziere sogar Truppenteile der römischen Armee.

Dies beweist, dass zum Beispiel noch 122 Jahre nach dem Einmarsch der Römer die keltischen Boier in Bayern wohnen. So wurde 278 n. Chr. ein „Dux“ (Oberbefehlshaber) des Limes in Raetien namens Boius genannt. 15 Jahre später bekleidete ein Bonus, ebenfalls ein Boier, diese Stelle. Dass die Kelten mit der Zeit in die höheren und höchsten Gesellschaftsschichten eindringen konnten verraten Grabsteine. So erscheint auf einem Regensburger Epithaph um 200 n. Chr. der keltische Frauenname Diveca.

Militärischen Ruhm erlangten keltische Krieger nur noch als Hilfstruppen (Auxilliartruppen) in römischen Diensten. Besonders die keltische Reiterei, die unter Cäsar als Auxillareinheiten einen besonderen Stellenwert erreichte, formte aus der römischen Armee, die über längere Zeit die beste schwere Infanterie stellte, eine unschlagbare Einheit.

Aus den alten Eroberern, einst der Schrecken Europas, waren Unterworfene geworden. Nachdem das römische Weltreich zusammenbrach, entstand in Irland und auf den Hebriden nochmals die keltische Kultur.

Literaturhinweise: De bello Gallico, der gallische Krieg. Bericht des römischen Feldherrn Gaius Julius Cäsar über seinen Feldzug 58 – 51/50 v. Chr. Das Werk stellt die Ereignisse zu Cäsars Feldzügen dar. Der Bericht ist aber durch sein Eigeninteresse geprägt und deshalb als objektive historische Quelle umstritten.

Herrscher der Eisenzeit -Die Kelten (2023). Auf den Spuren einer geheimnisvollen Kultur. Von ihren antiken Nachbarn geschätzt als geschäftstüchtige Händler und Kunsthandwerker, dann als Eroberer gefürchtet – Ralph Hauptmann, Nikol-Verlag – ISBN 9783453120471

Weitere Literatur nach Erscheinungsdatum, Verfasser und Titel: 1975-Duncan Norton Taylor-Die Kelten, 1980-Barry Cunliffe-Die Kelten und ihre Geschichte, 1993-Prähistorische Staatssammlung München-Das Keltische Jahrtausend, 1996-Simons James-Das Zeitalter der Kelten, 1998-Juliette Wood- Die Lebenswelt der Kelten, 1999-David Sandison-Schwert und Schild, Die Kunst der Kelten, 2001-Time-Life-Buchreihe-Die Kelten, Europas Volk der Eisenzeit, 2002-John Haywood-Die Zeit der Kelten, 2003-Elena Percivaldi-Das Reich der Kelten.

Hinweis: Wir werden versuchen innerhalb des Textes Fotos und Grafiken einzubinden.